Wie dateilose Angriffe funktionieren und Persistenz in Systemen herstellen

Um mit den besseren Sicherheitsmassnahmen Schritt zu halten, entwickeln cyberkriminelle Akteure immer bessere Techniken, mit deren Hilfe sie der Entdeckung entgehen können. Eine der erfolgreichsten Umgehungstechniken sind dateilose Angriffe, die keine bösartige Software erfordern, um in ein System einzudringen. Anstatt sich auf ausführbare Dateien zu verlassen, missbrauchen diese Bedrohungen Tools, die sich bereits im System befinden, um die Angriffe zu initiieren.

Im Sicherheitsbericht für 2019 stellt Trend Micro fest, dass dateilose Bedrohungen immer häufiger werden. Durch die Nachverfolgung nicht dateibasierter Indikatoren und mittels Technologien wie Endpoint Detection-and-Response hat der Anbieter im vergangenen Jahr mehr als 1,4 Millionen dateilose Sicherheitsvorkommnisse blockiert. Dieser Trend war zu erwarten angesichts der Möglichkeiten der Verschleierung und Persistenz, die dateilose Bedrohungen einem Angreifer bieten.

Funktionsweise von dateilosen Angriffen

Der Begriff „dateilos“ legt nahe, dass die Bedrohung oder Technik keine Datei im Hauptspeicher einer Maschine benötigt. Dateilose Funktionalität kann an der Ausführung, am Informationsdiebstahl oder an der Persistenz beteiligt sein. Ein Angriffsablauf muss nicht zwangsläufig wirklich “ dateilos“ erfolgen, es können auch lediglich einige Teile in irgendeiner Form dateilose Techniken benötigen.

Dateilose Bedrohungen hinterlassen nach ihrer Ausführung keine Spuren, so dass es schwierig ist, sie zu erkennen und zu entfernen. Diese Techniken ermöglichen es Angreifern, auf das System zuzugreifen, um dann dort bösartige Aktivitäten auszuführen. Durch die Manipulation von Exploits, legitimen Tools, Makros und Skripts können Angreifer Systeme kompromittieren, Privilegien erhöhen oder sich lateral im Netzwerk bewegen.

Dateilose Angriffe vermeiden sehr effizient ihre Entdeckung durch herkömmliche Sicherheitssoftware, denn die sucht nach Dateien auf der Festplatte eines Rechners, um dann zu beurteilen, ob sie bösartig sind. Diese Art der Bedrohungen sind nicht sichtbar, da sie im Hauptspeicher eines Systems ausgeführt werden können, sich in der Registry befinden oder häufig in Whitelists aufgeführte Tools wie PowerShell, Windows Management Instrumentation (WMI) und PsExec missbrauchen können.

Viele dateilose Bedrohungen missbrauchen das Task-Automatisierungs- und Konfigurationsmanagement-Framework PowerShell, das in vielen Windows-Betriebssystemen integriert ist. Das Microsoft-Framework greift auf Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) zu, die wichtige System- und Anwendungsfunktionen ausführen. Für Angreifer ist es attraktiv, weil es ihnen ermöglicht, Payloads zu verteilen und bösartige Befehle dateilos auszuführen.

WMI ist eine weitere bekannte Windows-Anwendung, die zur Ausführung von Systemaufgaben für Endpunkte verwendet wird, und ist deshalb ideal geeignet für die Durchführung von Angriffen. Die Hintermänner missbrauchen WMI für die Ausführung von Code, laterale Bewegung und Persistenz; WMI-Repositorys können auch dazu verwendet werden, bösartige Skripts zu speichern, die in regelmäßigen Intervallen aufgerufen werden können. Unternehmensnetzwerke nutzen PowerShell und WMI in der Regel für die Automatisierung von Systemverwaltungsaufgaben. Angreifer machen sich diese Tools häufig zunutze, da sie zur Umgehung signaturbasierter Erkennungssysteme, zur Aufrechterhaltung der Persistenz, zur Exfiltrierung von Daten und für weitere böswillige Zwecke eingesetzt werden können.

Dateilose Angriffe sind nicht neu, doch gehören sie immer häufiger zum Arsenal vieler Angreifer. Eine Zusammenfassung zum Thema bietet die Infografik:

Schutz vor dateilosen Bedrohungen

Die Vielfalt der dateilosen Techniken ermöglicht persistente Angriffe, die die Integrität der Geschäftsinfrastruktur eines Unternehmens beeinträchtigen können. Trotz des Fehlens einer eigenständigen binären oder ausführbaren Datei können Anwender dateilose Bedrohungen verhindern.

Die Bekämpfung dateiloser Angriffe erfordert einen vielschichtigen und tiefgreifenden Schutzansatz, der nicht von traditionellen, dateibasierten Gegenmassnahmen zur Eindämmung von Bedrohungen abhängig ist.

  • Unternehmen sollten Systeme sichern, ungenutzte oder unwichtige Anwendungen deinstallieren und den Netzwerkverkehr überwachen.
  • Durch den Einsatz von Mechanismen zur Verhaltensüberwachung können ungewöhnliche Änderungen an Software und Anwendungen wie PowerShell und WMI nachverfolgt werden.
  • Benutzerdefinierte Sandbox- und Intrusion Detection und Prevention-Systeme können auch dazu beitragen, verdächtigen Datenverkehr wie C&C-Kommunikation oder Datenexfiltrierung zu verhindern.

Darüber hinaus bietet die Trend Micro XDR-Lösung Layer-übergreifende Detection and Response über Emails, Endpunkte, Server, Cloud Workloads und Netzwerke hinweg. Sie nutzt starke KI-Fähigkeiten und Sicherheits-Analytics, um eine breite Vielfalt von Bedrohungen wie dateilose Angriffe zu erkennen, zu untersuchen und darauf zu reagieren.

Trend Micro™ Apex One™ nutzt eine Vielzahl an Fähigkeiten der Bedrohungserkennung wie etwa Verhaltensanalyse, die vor bösartigen Skripts, Einschleusen, Ransomware und Memory- sowie Browser-Angriffen mit Bezug zu dateilosen Bedrohungen schützen. Apex One Endpoint Sensor bietet kontextbezogene Endpunkterecherche und Response (EDR), die Vorfälle überwacht und schnell untersucht, welche Prozesse und Events bösartige Aktivitäten anstoßen.

Trend Micro Deep Discovery beinhaltet einen Layer für Email-Inspektion, der Unternehmen schützen kann, indem er bösartige Anhänge und URLs erkennt. Deep Discovery kann Remote Skripts auch dann entdecken, wenn sie nicht auf einen physischen Endpunkt heruntergeladen werden.